Posted by: amschulzes | June 5, 2013

Currywurst

Über ihre Erfindung gibt es verschiedene Geschichten. Aber eines ist sicher: Sie ist eines der beliebtesten Gerichte der Deutschen – die Currywurst.

Die schönste Geschichte von der Entstehung der Currywurst hat der Schriftsteller Uwe Timm geschrieben. In seiner Novelle Die Entdeckung der Currywurst lässt er seine Protagonistin Lena Brücker durch Zufall auf die Idee für eines der beliebtesten Gerichte der Deutschen kommen: Sie stolpert auf der Treppe. In der einen Hand hält sie eine Dose Currypulver, in der anderen Hand eine Flasche Ketchup. Beides geht kaputt, Curry und Ketchup mischen sich zu einer scharfen Soße. Sie probiert davon und hat eine Idee. In ihrer Wohnung brät sie eine Wurst, gibt Currypulver und Ketchup darüber – und ist glücklich: Es schmeckt gut. An ihrer Imbissbude in Hamburg verkauft sie ab sofort Currywurst in großen Mengen. So verdient sie genug Geld, um in den harten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu überleben.

Uwe Timms Geschichte ist vor allem deshalb so schön, weil sie auch eine Liebesgeschichte ist. Denn bevor Lena Brücker in den letzten Tagen des Krieges den Soldaten Hermann Bremer trifft, sich in ihn verliebt und ihn in ihrer Wohnung versteckt, weiß sie gar nicht, dass es so etwas wie Currypulver überhaupt gibt. Der Deserteur erzählt ihr von dem exotischen, scharfen Pulver. Es kann die Sorgen vertreiben, sagt er.

Die Geschichte von der Entdeckung der Currywurst ist schön, aber nicht wahr. Lena Brücker ist eine Erfindung von Uwe Timm. Der Schriftsteller erinnert sich aber, dass er schon 1947 an einem Imbissstand in Hamburg eine Currywurst gegessen hat – zu einem Zeitpunkt, als es die Currywurst offiziell noch gar nicht gab. Denn tatsächlich gilt die Berlinerin Herta Heuwer als die wahre Erfinderin der Currywurst.

Im September 1949 hat sie an ihrem Imbissstand in Berlin-Charlottenburg zum ersten Mal eine gebratene Brühwurst mit einer Soße aus Tomatenmark, Currypulver, Worcestershiresauce und anderen Zutaten angeboten. Die Wurst wurde zum Erfolg. Schon wenige Jahre später aßen die Berliner im Jahr mehrere Millionen Currywürste.

Ganz egal, wo sie nun zum ersten Mal gebraten wurde: Heute ist die Currywurst in ganz Deutschland beliebt. Regionale Unterschiede gibt es allerdings in der Zubereitung. In Berlin wird die Currywurst aus einer Fleischwurst mit oder ohne Darm gemacht. Die Wurst wird im Ganzen gebraten, in Stücke geschnitten, mit Soße übergossen und mit Currypulver bestreut. Im Ruhrgebiet (Nordrhein-Westfalen) wird die Currywurst aus Bratwürsten gemacht.

Auf der nächsten Seite steht das Rezept für Currywurst.

ZUTATEN FÜR VIER PERSONEN
Vier mittelgroße Brat- oder Fleischwürste (je nach Geschmack)
Pflanzenöl zum Braten
200 Milliliter Ketchup
1 Esslöffel Tomatenmark
1 Esslöffel Currypulver
Essig, Worcestershiresauce, Honig, Chili- und Paprikapulver, Salz und Pfeffer zum Abschmecken

ZUBEREITUNG
1. Die Würste in Pflanzenöl circa zehn bis 15 Minuten lang braten. Sie sollten nicht zu dunkel werden.
2. In einem Topf das Ketchup mit dem Tomatenmark erhitzen und mit Essig, Worcestershiresauce, Honig, Chili, Paprika, Salz und Pfeffer abschmecken.
3. Würste in Stücke schneiden und auf Tellern anrichten. Soße darübergießen und mit Currypulver bestreuen.
4. Die Currywurst mit Pommes frites oder Brötchen servieren.

ANDERE SPEZIALITÄTEN AUS DER REGION

  • Berliner Weiße mit Schuss: Weißbier wird in breiten Gläsern mit Himbeer- oder Waldmeistersirup gemischt und mit einem Strohhalm getrunken.
  • Hackepeter: Rohes Hackfleisch vom Schwein, das mit Zwiebeln, Salz und Pfeffer gemischt und auf Brot oder Brötchen gegessen wird.

Glossar

stolpert = die Balance verlieren und fallen
Currypulver = Currygewürz
Imbissbude = hier: kleiner Laden für kleine Speisen
überleben = hier: weiter existieren
vertreiben = hier: machen, dass man nicht an die Sorgen denken muss
Imbissstand = hier: kleiner Laden für kleine Speisen
Brühwurst = Wurst, die bei der Herstellung gebacken oder gekocht wird
Tomatenmark = Konzentrat aus Tomaten
Zutaten = Lebensmittel, die zur Herstellung eines Gerichts nötig sind
Zubereitung = Herstellung von Speisen
Darm = langes Organ im Bauch von Mensch und Tieren; gemeint hier: Wursthaut
übergossen = übergießen mit = darübergießen
bestreut = bestreuen = z.B. Zucker, Salz, Pfeffer auf Lebensmittel geben
Bratwürsten = gegrillte Wurst
Esslöffel = Suppenlöffel
Paprikapulver = Paprikagewürz
Abschmecken = den Geschmack einer Speise prüfen und, wenn nötig, Gewürze dazugeben
erhitzen = sehr heiß machen
anrichten = hier: so auf Teller legen, dass es appetitlich aussieht
Weißbier = Bier, das man aus der Getreideart Weizen herstellt
Himbeer = rote Beere
Waldmeistersirup = Sirup aus einer aromatischen Pflanze, die im Mai im Wald wächst
Strohhalm = hier: langer, runder Gegenstand aus Plastik, durch den man ein Getränk in den Mund zieht

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